gotschke
© 2014, ProLitteris, Zurich

«Grosser Preis der Schweiz 1938» 

Künstler: Walter Gotschke (1912 -2000)
Druckjahr: 1938
Technik: Lithographie und Offset
Blattmass: 83 x 58 cm
Zustand: sehr gut; vom Künstler mit der Bildseite auf Acrylglas aufgezogen
Druckerei: Württ. Kunstdruck Stuttgart

verkauft

Die legendären Silberpfeile W154 von Mercedes-Benz waren Ende der 30er-Jahre so gut wie unbezwingbar – so auch im August 1938 auf der Rundstrecke des GP Schweiz in Bremgarten, als die Werksfahrer Rudolf Caracciola, Richard B. Seaman sowie Manfred von Brauchitsch die Schlussränge eins, zwei und drei belegten und Seaman auch noch die schnellste Runde fuhr.

Das ausgesprochen modern wirkende Siegerplakat anlässlich dieses Triumphes gehört zweifellos zu den stärksten Arbeiten des Deutsch-Tschechen Walter Gotschke. Es lebt vom Kontrast zwischen dem leuchtenden Rot der Schweizer Flagge und einem dem Silber nachempfundenen Grau sowie von der Diskrepanz zwischen der an eine Konstruktionszeichnung erinnernden Wiedergabe des Silberpfeils und dem stilisierten Hintergrund der Berner Altstadt und Bergwelt. Der Kopf des Fahrers bricht die Symmetrie und schafft eine sorgfältig kalkulierte Spannung, wobei der Turm des Münsters zum einen für das Herausragende steht, zum anderen gleichzeitig einen unmissverständlichen Bezug zum Ort des Geschehens herstellt. Die tiefe Perspektive schliesslich vermittelt eine Ahnung von der Wucht des Silberpfeils.

Walter Gotschke sah 1922 zum ersten Mal ein Auto. Von nun an zeichnete er nichts anderes mehr, und schon 1931 warb der Veranstalter des Grossen Masaryk-Preises in Brünn/CZ mit einem Entwurf Gotschkes. 1938 fing dieser in der Werbeabteilung von Daimler-Benz an, wo er zuständig war für technische Zeichnungen von Flug- und Schiffsmotoren – die Siegerplakate gestaltete Gotschke nach Feierabend. Sie wurden jeweils vor einem Rennen gedruckt, und kaum war das Ergebnis bekannt, wurde im Erfolgsfall der Text in einem zweiten Schritt nachgedruckt. So war es möglich, dass schon am Morgen nach dem Rennen die Siegerplakate in den europäischen Hauptstädten an den Wänden prangten – mit ein Grund für den bis heute sagenhaften Ruf der Silberpfeile. Dieses Blatt hat Gotschke selber auf Acrylglas aufgezogen, zu Repräsentationszwecken auf Messen.   zurück